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Vertritt dich selbst in deinen aussagen - chairperson nach Ruth Cohn

Ruth Cohn war eine deutsche Psychoanalytikerin und Begründerin der "Themenzentrierten Interaktion" (TZI).

TZI ist ein psychologisch fundiertes System um lebendig in interaktionellen Gruppen zu lehren und zu lernen.


In diesem Zusammenhang formulierte Cohn das praxisorientierte Postulat


Sei dein eigener Chairman, der Chairman deiner selbst.

(Chairman = engl. Vorsitzende*r, Leiter*in)


Wie ist dieses Postulat zu verstehen?


Ruth Cohn erläutert hierzu:


"Als mein eigener Chairman bin ich der Vorsitzende meiner inneren Gruppe, meiner verschiedenen Bedürfnisse und Bestrebungen. [..]

Ich mache mir meine Gefühle bewußt und wäge ab, mein "ich soll" gegen mein "ich möchte"; und ich versuche, meine Entscheidungen auch von körperlichen Fähigkeiten und Begrenztheiten abhängig zu machen, denen ich ebenso unterliege wie anderen natürlichen und sozialen Gegebenheiten: Menschen, Natur, soziale Wirklichkeit.

Die Aussage "sei dein eigener Chairman" in interaktionellen Gruppen bedeutet: Übe dich, dich selbst und andere wahrzunehmen, schenke dir und anderen die gleiche menschliche Achtung, respektiere alle Tatsachen so, dass du den Freiheitsraum deiner Entscheidungen vergrößerst.

Nimm dich selbst, deine Umgebung und deine Aufgabe ernst.

Mein eigener Chairman zu sein bedeutet, dass ich mich als einzigartiges psycho-biologisches autonomes Wesen anerkenne - begrenzt in Körper und Seele, in Raum und Zeit und lebendig im lernenden, schaffenden Prozess.

Ich bin verantwortlich für meine Anteilnahme und meine Handlungen, nicht aber für die des anderen.

Mein eigener Chairman zu sein bedeutet also, meine Möglichkeiten und Grenzen als menschliches Wesen zu begreifen und zu verfolgen: Ich bin nicht allmächtig; ich bin nicht ohnmächtig. Meine Macht ist begrenzt." [Vgl. Cohn, 1983, S.121]


Doch was bedeutet das für die alltägliche Praxis? Wie erlebt dieses Postulat praktischen Transfer?


Hier formuliert Cohn einige "Hilfsregeln" für die TZI. Die erste Regel lautet:


Vertritt dich selbst in deinen Aussagen; sprich per "ich" und nicht per "wir" oder per "man".

Sie begründet diese Hilfsregel damit, dass die "verallgemeinernden Wendungen von 'wir' und 'man' fast immer persönliche Versteckspiele" seien:

"Der Sprechende übernimmt nicht volle Verantwortung für das, was er sagt. Er versteckt sich hinter der öffentlichen Meinung oder einer nicht kritisch überprüften Majoritätsentscheidung, um sich selbst und seine Zuhörer zu überzeugen.

Wenn ich an meine eigene Aussage glaube, brauche ich keine fiktive, quantitative Unterstützung des andern. [..] Die Regel per 'Ich' zu sprechen und nur per 'Ich', dient dazu, verantwortliche Aussagen zu machen, Projektionen zu vermeiden und weder eigene Kreativität noch Irrtümer zu vertuschen." [Vgl. Cohn, 1983, S. 124]


Wie wäre es, diesen Gedanken in den eigenen Alltag zu integrieren und im ersten Schritt darauf zu achten, wann sich ein "man" anstelle eines "ichs" einschleicht?


Was verändert sich daraufhin an der inneren Haltung und der alltäglichen Kommunikation?


Sei dein eigener Chairman.

Sei deine eigene "Chairwoman"!










Quelle: Cohn, Ruth.1983. Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Aktion (6.Aufl.). Stuttgart: Klett Verlag



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